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Medizin
12/2/2026

Was sagt die Forschung zur Anwendung von GLP-1 in der Stillzeit?

Nach einer Schwangerschaft ist es völlig normal, sich wieder um die eigene Gesundheit kümmern zu wollen. Gleichzeitig hören viele von GLP-1-Medikamenten wie Ozempic, Wegovy und Mounjaro gegen Übergewicht und Adipositas. Warum sollen sie in der Stillzeit nicht verwendet werden? Wegen der Sicherheit des Kindes, der begrenzten Studienlage und der besonderen Bedürfnisse des Körpers in dieser Phase.

Ein gestilltes Baby

Was ist GLP-1 und warum wird es zur Gewichtsabnahme eingesetzt?

GLP-1 ist ein Hormon, das im Darm gebildet wird und Appetit, Sättigung und den Blutzucker beeinflusst. Medikamente, die die Wirkung von GLP-1 nachahmen, werden zur Behandlung von Übergewicht, Adipositas und Typ-2-Diabetes eingesetzt. Dazu gehören zum Beispiel Ozempic, Wegovy und Mounjaro.

Durch die Verringerung des Hungergefühls und die Stärkung des Sättigungsgefühls können diese Behandlungen es erleichtern, weniger zu essen und sich an die empfohlenen Essgewohnheiten zu halten. Bei vielen Menschen führt dies in Kombination mit entsprechender Unterstützung bei der Umstellung ihrer Lebensweise zu einer deutlichen und nachhaltigen Gewichtsabnahme.

Was die Forschung zu GLP-1 während der Stillzeit sagt

Aktuell gibt es nur sehr begrenzte wissenschaftliche Daten zur Anwendung von GLP-1-Rezeptoragonisten in der Stillzeit. Schwangere und stillende Frauen werden in klinische Studien in der Regel nicht einbezogen. Das gilt auch für Wirkstoffe wie Semaglutid (Ozempic, Wegovy) und Tirzepatid (Mounjaro).

Derzeit liegen uns daher keine ausreichenden Daten vor, um zu beurteilen, ob diese Medikamente in die Muttermilch gelangen. Es fehlen auch Informationen über mögliche Auswirkungen auf gestillte Säuglinge.

Wenn nur begrenzte Sicherheitsdaten vorliegen, gilt der Grundsatz der Vorsicht. Daher werden GLP-1-Medikamente während der Stillzeit nicht empfohlen.

Mögliche Risiken für das Kind

GLP-1-Medikamente beeinflussen die Appetitregulation, die Magenentleerung und den Energiehaushalt bei der behandelten Person. Bei einem Säugling, der sich in einer Phase schnellen Wachstums befindet und auf eine stabile Nährstoffzufuhr angewiesen ist, ist es besonders wichtig, dass Prozesse wie diese nicht beeinträchtigt werden.

Derzeit fehlen ausreichende Daten dazu, in welchem Ausmaß GLP-1-Rezeptoragonisten in die Muttermilch übergehen und ob sie Auswirkungen auf das Kind haben könnten. Da die Sicherheit nicht eindeutig belegt werden kann und mögliche Effekte auf Wachstum oder Magen-Darm-Funktion nicht ausgeschlossen sind, wird eine Anwendung in der Stillzeit nicht empfohlen.

Warum die Stillzeit eine besonders sensible Phase ist

Die Stillzeit ist eine besondere Phase der körperlichen Entwicklung, in der das Kind ganz oder teilweise über die Muttermilch versorgt wird. Medikamente und andere Substanzen, die du einnimmst, können in unterschiedlichem Maß in die Muttermilch übergehen.

Die Organe und Körperfunktionen eines Säuglings befinden sich noch in der Entwicklung. Dadurch können sie empfindlicher reagieren als bei Erwachsenen. Aus diesem Grund gelten in der Stillzeit besonders hohe Anforderungen an die Sicherheit von Medikamenten.

Wenn ausreichende Sicherheitsdaten fehlen, wird zur Vorsicht geraten. Jegliche neue Behandlung während der Stillzeit muss stets mit dem behandelnden Arzt oder anderem medizinischen Fachpersonal abgeklärt werden.

Wie das Stillen funktioniert

Der Prozess beginnt bereits während der Schwangerschaft. Durch hormonelle Veränderungen werden die Brüste vorbereitet und Kolostrum produziert. Nach der Geburt wird die Milchproduktion durch das Saugen des Babys angeregt, wodurch Hormone wie Prolaktin und Oxytocin ausgeschüttet werden.

Die ersten Tage können eine Herausforderung sein. Mit etwas Zeit finden die Eltern und Babys jedoch in der Regel ihren gemeinsamen Rhythmus.

Da dein Baby in dieser Phase ganz oder teilweise über die Muttermilch versorgt wird, ist es wichtig, dass Medikamente sorgfältig im Hinblick auf ihre Sicherheit geprüft sind.

Stillen versorgt den Säugling in den ersten Lebensmonaten mit Nahrung und gibt ihm Geborgenheit. Achte dabei auf die Signale deines Körpers und deines Kindes.

Wann kann GLP-1 wieder infrage kommen?

Eine Behandlung mit GLP-1-Medikamenten kann in Betracht gezogen werden, wenn die Stillzeit vollständig beendet ist. Das bedeutet, dass dein Kind keine Muttermilch mehr erhält, weder vollständig noch teilweise.

Bei vielen Menschen ist eine Behandlung relativ bald nach dem Abstillen möglich. Die Entscheidung sollte jedoch immer gemeinsam mit medizinischem Fachpersonal getroffen und an deine individuelle Situation angepasst werden.

Worauf kannst du dich in der Stillzeit konzentrieren?

Der Verzicht auf GLP-1 während der Stillzeit bedeutet nicht, dass du deine Gesundheit vernachlässigen musst. Tatsächlich kann dies ein guter Zeitpunkt sein, um nachhaltige Gewohnheiten zu entwickeln, die sowohl die Erholung als auch das langfristige Wohlbefinden unterstützen.

In der Stillzeit ist es oft sinnvoll, den Fokus auf folgende Aspekte zu legen:

  • regelmäßige Mahlzeiten mit abwechslungsreicher und nährstoffreicher Ernährung
  • eine ausreichende Energiezufuhr zur Unterstützung der Milchproduktion und Erholung
  • Alltagsbewegung und leichte körperliche Aktivität, angepasst an die Zeit nach der Geburt
  • Schlaf und Erholung, so gut es im Alltag möglich ist

Dein Körper durchläuft nach der Schwangerschaft und in der Stillzeit deutliche hormonelle Veränderungen. Gewichtsveränderungen entwickeln sich bei vielen Menschen schrittweise, können aber sehr unterschiedlich ausfallen. In dieser Phase geht es nicht um eine schnelle Gewichtsabnahme, sondern um stabile Grundlagen für Gesundheit und Wohlbefinden.

Nach dem Abstillen kann eine neue medizinische Untersuchung erfolgen und mögliche Behandlungsoptionen können passend zu deiner aktuellen Situation besprochen werden.

Unterstützung und Anlaufstellen

In Deutschland gibt es verschiedene Anlaufstellen für stillende Frauen. Hebammen, gynäkologische Praxen, Kinderärzte sowie Stillberatungen bieten praktische Unterstützung und individuelle Begleitung bei Fragen oder Problemen rund ums Stillen.

Fragen oder Phasen der Unsicherheit sind ganz normal. Viele Menschen benötigen in verschiedenen Situationen Unterstützung. Wichtig ist zu wissen, dass Hilfe verfügbar ist.

Ärzte, Hebammen und Ernährungsfachkräfte können dich zu Nährstoffbedarf, Erholung nach der Schwangerschaft und zu Medikamentenfragen in der Stillzeit beraten.

Wenn du frühzeitig Unterstützung suchst, fühlst du dich beim Stillen sicherer und es fällt dir leichter, durchzuhalten.

Zusammenfassung

GLP-1-Medikamente sind eine wirksame medizinische Option bei Übergewicht und Adipositas, werden in der Stillzeit jedoch nicht empfohlen. Grund dafür ist die begrenzte Datenlage und dass die Sicherheit für das gestillte Kind nicht ausreichend belegt ist. Dementsprechend wird eine vorsichtige Linie verfolgt.

Nach dem vollständigen Abstillen kann eine Behandlung mit Ozempic, Wegovy oder Mounjaro  nerneut geprüft werden. Dabei werden deine Gesundheit, die Gewichtsveränderung, mögliche Begleiterkrankungen und deine persönlichen Ziele berücksichtigt.

Im Vordergrund steht immer eine sichere und langfristig tragfähige Gesundheit – für dich und dein Kind.

Häufige Fragen und Antworten

Ist eine GLP-1-Behandlung in der Stillzeit möglich?

Nein, GLP-1-Medikamente werden in der Stillzeit nicht empfohlen. Es fehlen ausreichende Daten dazu, ob die Wirkstoffe in die Muttermilch übergehen und welche Auswirkungen sie auf das gestillte Kind haben könnten.

Da die Sicherheit nicht eindeutig belegt werden kann, wird aus Gründen der Vorsicht von einer Anwendung in der Stillzeit abgeraten.

Wie beeinflusst GLP-1 den Appetit und das Gewicht?

GLP-1 verstärkt die Sättigungssignale im Gehirn und reduziert das Hungergefühl. Gleichzeitig wird die Magenentleerung verlangsamt, sodass das Sättigungsgefühl nach dem Essen länger anhält.

Diese Kombination führt häufig zu einer geringeren Energieaufnahme. In Verbindung mit einer entsprechenden Umstellung der Lebensweise kann das zu einer klinisch relevanten Gewichtsabnahme führen.

Gibt es typische Nebenwirkungen von GLP-1?

Ja. Die häufigsten Nebenwirkungen betreffen den Magen-Darm-Trakt. Dazu gehören Übelkeit, Erbrechen, Durchfall und Verstopfung. Diese Beschwerden treten häufig zu Beginn der Behandlung oder bei einer Dosiserhöhung auf und lassen bei vielen Menschen mit der Zeit nach.

Seltenere, aber ernstere Nebenwirkungen sind ebenfalls möglich. Sprich bei anhaltenden oder starken Beschwerden mit deinem Arzt oder deinem Behandlungsteam.

Wende dich bei möglichen Nebenwirkungen oder Fragen dazu stets an medizinisches Fachpersonal.

Ist es möglich, auf andere Weise während der Stillzeit abzunehmen?

In der Stillzeit stehen deine Erholung und eine ausreichende Nährstoffzufuhr für dich und dein Kind im Vordergrund. Eine aktive medikamentöse Gewichtsabnahme wird in dieser Phase nicht empfohlen.

Gesunde Gewohnheiten können jedoch dein Wohlbefinden fördern und langfristig zu einer schrittweisen Gewichtsveränderung beitragen. Dazu zählen eine abwechslungsreiche, nährstoffreiche Ernährung, regelmäßige Mahlzeiten, angepasste Bewegung und ausreichend Ruhe.

Das Ziel während der Stillzeit ist eine stabile Gesundheit, nicht eine schnelle Gewichtsabnahme. Nach Beendigung der Stillzeit können mit ärztlicher Unterstützung strukturiertere Behandlungsoptionen in Betracht gezogen werden.

Was kann das Stillen erleichtern?

Hautkontakt, häufiges Stillen und ein guter, tiefer Saugreflex können das Stillen unterstützen. Eine frühzeitige und regelmäßige Stimulation der Brust fördert die Milchproduktion und hilft, diese aufrechtzuerhalten.

Praktische Unterstützung durch eine Hebamme oder eine Stillberatung kann besonders in den ersten Wochen hilfreich sein.

Wo finde ich mehr Informationen zu GLP-1 und zur Stillzeit?

Wende dich an deine behandelnde Praxis, deine Hebamme oder eine Stillberatung, um individuelle Tipps und Beratung zu erhalten.

Quellen

American Journal of Obstetrics and Gynecology. Glucagon-like peptide-1 receptor agonist use in pregnancy: a review. https://doi.org/10.1016/j.ajog.2024.08.024

Nutrients. Subcutaneous Semaglutide during Breastfeeding: Infant Safety Regarding Drug Transfer into Human Milk. https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/39275201/

Frontiers in Endocrinology. Effects of GLP-1 agonists and SGLT2 inhibitors during pregnancy and lactation on offspring outcomes: a systematic review of the evidence.
https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/37881498/

European Medicines Agency (EMA) – Wegovy (Semaglutid)
https://www.ema.europa.eu/en/medicines/human/EPAR/wegovy

European Medicines Agency (EMA) – Mounjaro (Tirzepatid)
https://www.ema.europa.eu/en/documents/product-information/mounjaro-epar-product-information_en.pdf

European Medicines Agency (EMA) – Ozempic (Semaglutid)
https://www.ema.europa.eu/en/medicines/human/EPAR/ozempic

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February 11, 2026
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Semaglutid wurde ursprünglich als Behandlung für Typ-2-Diabetes entwickelt, zeigte aber in klinischen Studien eine deutliche Gewichtsreduktion. Das Medikament Wegovy (Semaglutid 2,4 mg) ist derzeit zur Gewichtskontrolle bei Erwachsenen mit einem BMI ≥ 30 oder ≥ 27 mit gewichtsbedingten Begleiterkrankungen zugelassen (2).